Die Weinlese beginnt schon vor der Ernte der ersten Traube. Sie beginnt in den Tagen, in denen beobachtet, gemessen und gewartet wird.
Heute ist der Nachmittag im Lugana di Sirmione heiß und feucht: Das Thermometer zeigt rund 30 °C, die erwartete Höchsttemperatur liegt bei 32 °C, und auch in der Nacht werden die Temperaturen kaum unter 25 °C sinken. Die Sonne bleibt präsent, unterbrochen von einigen vorüberziehenden Wolken, während für die Lombardei bis zum Abend eine Warnung vor möglichen Gewittern gilt. Gestern Abend hat ein starker Wind vom See die Reben bewegt und sie für die Weinlese wachgerüttelt – glücklicherweise ohne Hagel und mit nur wenig Regen. Die Weinlese hat daher wie geplant begonnen.
Dennoch sind es Bedingungen, die besondere Aufmerksamkeit erfordern. Licht und Wärme begleiten die Reifung, bestimmen aber nicht allein den Zeitpunkt der Lese. Entscheidend sind der Säuregehalt, der Zuckergehalt, der Zustand der Beerenhäute und die Reaktion jedes einzelnen Weinbergs. Und auch der Himmel spielt eine Rolle, denn innerhalb weniger Stunden kann er das Programm verändern.
Die erste Handlung dieses Tagebuchs ist daher das Warten: kein regungsloses Warten, sondern eines, das aus Kontrollen, Vergleichen und Entscheidungen besteht. Noch vor den Kisten und Pressen steht diese stille Arbeit, die notwendig ist, um von der Rebe nicht zu verlangen, dem Kalender zu folgen, sondern ihren eigenen Rhythmus zu verstehen. Und so sind wir hier, an diesem ersten Tag der Lese: Wie gewohnt beginnen wir mit den weißen Trauben, heute mit Chardonnay für die Schaumweinbasis.
In Lugana di Sirmione ist der Morgen bereits warm, die Sonne bricht zwischen den Wolken hervor und die hohe Luftfeuchtigkeit erinnert daran, nichts als selbstverständlich anzusehen. Für den Nachmittag sagen die Prognosen mögliche Schauer oder Gewitter voraus, auch wenn sich die Modelle hinsichtlich der Temperaturen und der Intensität der Wetterereignisse nicht einig sind.
An solchen Tagen beginnt die Arbeit mit dem Beobachten: des Himmels, der Luft, der Trauben und des Bodens. Die Reifung verläuft nicht geradlinig, und jede Entscheidung braucht ihre Zeit. Bevor möglicher Regen einsetzt, zählen genaue Kontrollen und die Fähigkeit, das Programm zu ändern, ohne die Reben zu etwas zu zwingen.
Genau das tut Dimitra, unsere Önologin: Sie entnimmt Traubenproben, um in unserem Labor den Reifegrad und weitere technische Parameter zu analysieren, die während der gesamten Weinlese kontinuierlich überwacht werden. Die heute eingetroffenen Trauben werden zu unserem Wein Pratto: Sie präsentieren sich wunderschön, mit runden, gut ausgereiften Säuren. Der Duft in der Luft ist ein Genuss.
Auch aus diesem konkreten Warten besteht die Weinlese: nicht aus Stillstand, sondern aus Aufmerksamkeit.
Im Lugana regnet es heute Morgen bereits und der Himmel bleibt bedeckt. Für den Nachmittag werden weitere Schauer und mögliche Gewitter erwartet: ein Tag, der Vorsicht verlangt und keine Abkürzungen erlaubt. Heute wird nicht gelesen.
Im Weinberg ist nicht jede Stunde eine Stunde der Lese. Es gibt Momente, in denen die Arbeit darin besteht, innezuhalten, die Dauer der Nässe zu beobachten, zu kontrollieren, wie der Boden das Wasser aufnimmt, und eine Entscheidung so lange aufzuschieben, bis die richtigen Bedingungen gegeben sind, um sie gut zu treffen.
Die Reifung setzt sich auch während dieser Pausen fort. Die Beobachtungen im Weinberg, der Zustand der Trauben und die Entwicklung der nächsten Stunden werden den weiteren Schritt bestimmen. Das Warten ist ebenso Teil der Arbeit wie die eigentliche Lese.
So setzen wir heute die sorgfältigen und gründlichen Analysen unserer Moste fort und können anhand der bisherigen Ergebnisse bereits mit Sicherheit sagen, dass der Jahrgang 2026 von einer ausgeprägten Mineralität geprägt sein wird.
Heute haben wir im Lugana die Weinlese wieder aufgenommen. Die Arbeit am Chardonnay geht zu Ende und die ersten Trauben der Turbiana treffen ein: ein deutlicher Übergang, der den Rhythmus der Tage verändert und die zentrale Phase der Weinlese einleitet.
In Lugana di Sirmione ist das Klima mild, und kühlere Luft begleitet die Arbeit zwischen den Rebzeilen. Die aktuellen Wetterbedingungen zeigen überwiegend sonnigen Himmel, bei hoher Luftfeuchtigkeit und erwarteten Temperaturen zwischen 23 und 29 °C. Es ist ein Tag, an dem wir kontinuierlich arbeiten können, ohne dabei die notwendige Aufmerksamkeit bei der Auswahl der Trauben und beim richtigen Zeitpunkt ihrer Anlieferung im Weingut zu verlieren.
So schreitet die Weinlese voran, eine Rebsorte nach der anderen. Während die Chardonnay-Lese zu Ende geht, beginnt die Turbiana ihren Weg: Jede Lese folgt einem präzisen Zeitplan, der anhand der Reifung bestimmt wird, immer auf der Suche nach dem richtigen Gleichgewicht zwischen Frische, Säure und Fruchtentwicklung.
Im Lugana ist der Morgen feucht, aber hell. Die Temperatur liegt bei etwa 23 Grad, der Wind ist schwach und für den Tag wird trockenes Wetter erwartet. Hier lädt das Wetter dazu ein, die Reifung kontinuierlich zu beobachten und die freundlicheren Stunden zu nutzen, um genau zu erkennen, was in den Trauben geschieht.
In der Valpolicella, zwischen Negrar und San Pietro in Cariano, beginnt derselbe Morgen dagegen mit einem Regenschauer und Temperaturen um 21 Grad. Die erwarteten Auflockerungen ändern nichts am gerade gefallenen Regen: Vor jeder Entscheidung müssen die Nässe der Reben, der Zustand des Bodens und die tatsächlichen Bedingungen in jeder einzelnen Rebzeile überprüft werden. Anfang September bereiten wir uns darauf vor, auch in diesem Gebiet mit der Weinlese zu beginnen.
Es gibt nicht nur einen einzigen typischen Tag der Weinlese. Jedes Gebiet gibt seinen eigenen Rhythmus vor und verlangt unterschiedliche Entscheidungen: Im Lugana liegt die Aufmerksamkeit während einer trockenen Phase auf der Reifung, in der Valpolicella auf dem Warten und der Kontrolle nach dem Regen. Zur Arbeit gehört auch, diese unterschiedlichen Zeiten auseinanderzuhalten, ohne sie zu erzwingen.
Auf dem Foto sind Igino Dal Cero und unser Team aus Kellermeistern und Önologen bei der gemeinsamen Begutachtung der gerade eingetroffenen Trauben zu sehen.
In Sirmione bringt das Wetter dieser Tage eine konkrete Unsicherheit mit sich: Die Vorhersagen sind sich über das Eintreffen des Regens nicht einig, weisen jedoch alle auf wechselhafte Tage mit Temperaturen hin, die sich 29 Grad nähern können. Zwischen den Rebzeilen bedeutet das, erst zu beobachten und dann zu entscheiden, Trauben, Blätter und Boden zu kontrollieren und sich nicht allein auf den Himmel zu verlassen, wie er aus der Ferne erscheint.
Heute beginnen wir mit der Lese der roten Trauben, aus denen La Rosa dei Frati und zum Teil auch Ronchedone entstehen werden.
In der Valpolicella wird der Regen unterdessen vor allem zwischen der Nacht und dem Morgen erwartet, gefolgt von einer allmählichen Rückkehr der Auflockerungen. Hier stehen die notwendigen Kontrollen im Mittelpunkt, bevor mit irgendeiner Tätigkeit im Weinberg begonnen wird: Anfang der kommenden Woche wird die Lese in diesem Gebiet beginnen.
Dasselbe Datum bedeutet nicht denselben Rhythmus. Jedes Gebiet verlangt seine eigene Betrachtung, und jedes unserer Teams muss seine Arbeit an den Bedingungen ausrichten, die es tatsächlich vorfindet. So bleibt das Tagebuch der Weinlese treu: indem es Orte, Zeiten und Entscheidungen voneinander unterscheidet.
Wir wünschen all unseren Erntehelfern eine gute Lese in dieser zweiten Woche der Weinlese: fast 300 Menschen, die ihre Hände zur Verfügung stellen, um unsere Trauben zu ernten.
Heute wie gestern wechselt die Weinlese ihre Farbe. Im Lugana beginnt die Lese der roten Trauben, die für La Rosa dei Frati bestimmt sind.
Der Tag ist warm und trocken: Bereits am Morgen ist die Temperatur auf über 26 °C gestiegen, bei einer Luftfeuchtigkeit von rund 73 %; für den Nachmittag werden vorüberziehende Wolken erwartet, ohne Niederschlag und mit schwachem Wind aus Nordosten. Bedingungen, die bei der Lese Tempo, Aufmerksamkeit und präzise Entscheidungen verlangen.
Für einen Rosé ist der Zeitpunkt, zu dem die Trauben gelesen werden, entscheidend: Es gilt, das richtige Gleichgewicht zwischen Reife, Säure und Frische zu finden, ohne den Charakter der Frucht zu verlieren. Aus diesem Gleichgewicht, noch vor der Farbe, beginnt der Weg von La Rosa dei Frati.
Heute lesen wir die ersten roten Trauben. Ein neuer Abschnitt der Weinlese, mit anderen Handgriffen und Zeiten, aber mit derselben Sorgfalt.
Wenn der Regen die Trauben küsst und das Wetter beschließt, zu unseren Gunsten zu spielen.
Die roten Trauben werden etwas früher gelesen, um ihre Frische einzufangen (bevor wir später in denselben Weinberg zurückkehren, um dieselben Trauben in einem reiferen Stadium zu ernten), erfrischende Regenfälle tragen zur Gesundheit der Trauben bei und die Gärungen werden so sorgfältig geplant, dass nicht einmal eine Spur der in den Beerenhäuten enthaltenen Aromen verloren geht. All dies wird sich in einem zukünftigen Glas Rosé vereinen.
Gestern kam es zu einem Hagelereignis, das hauptsächlich den westlichen und südöstlichen Teil der Provinz betraf und in seinen Ausläufern auch die Weinberge des Lugana erreichte. Glücklicherweise wurden auf unseren Flächen jedoch keine nennenswerten Schäden verzeichnet, sondern lediglich geringe mengenmäßige Verluste, ohne die Qualität des zukünftigen Weins zu beeinträchtigen.
In der Valpolicella beginnt die Lese der Corvina, jener Traube, die die Seele unseres Amarone Pietro Dal Cero in sich trägt.
Die Trauben werden von Hand gelesen und sorgfältig ausgewählt, wobei die gesündesten und lockerbeerigsten Trauben bevorzugt werden. Von hier gelangen sie in unseren Trocknungsraum in der Gegend von Marcellise, wo sie bis Januar für den langsamen und natürlichen Appassimento-Prozess ruhen.
Monat für Monat verlieren die Beeren Wasser und konzentrieren Aromen, Zucker und Struktur: eine entscheidende Zeit des Wartens, um die Tiefe und Komplexität unseres Amarone zu entwickeln.
Hier beginnt ein neuer Jahrgang von Pietro Dal Cero.
Im Lugana beginnt dieser Tag mit Sonne und bereits feuchter Luft. Die Temperatur wird voraussichtlich auf etwa 33 Grad steigen, während sich Sonne und Wolken am Himmel abwechseln können. Doch heute ist im Weinberg kein Tag wie jeder andere: Es ist der letzte Tag der Lese der roten Trauben, die für den Ronchedone bestimmt sind. Damit geht eine wichtige Phase der Weinlese zu Ende, nach Tagen, an denen jede Entscheidung vor allem von der Beobachtung der Trauben und der Entwicklung des Wetters bestimmt wurde.
In dieser Zeit richtet sich die Arbeit nicht allein nach der Uhr. Entscheidend sind die Temperatur der Trauben, die Zeit zwischen dem Schnitt und ihrer Ankunft im Weingut sowie die Möglichkeit, ein Team zu versetzen, eine Lese vorzuziehen oder die Arbeit zu unterbrechen, wenn sich das Wetter verändert. Auch die Reife wird nicht allein an der Süße gemessen: Säure, Unversehrtheit und Reife der Beerenhäute, der Zustand der Kerne und die Verkostung der Beeren bestimmen weiterhin unsere Entscheidungen, Rebzeile für Rebzeile.
Bei den roten Trauben ist diese Aufmerksamkeit noch wichtiger: Die Beerenhaut schützt nicht nur die Beere, sondern bewahrt auch einen wesentlichen Teil der zukünftigen Farbe, der Aromen und der Struktur des Weins. Den richtigen Zeitpunkt für die Lese zu bestimmen bedeutet daher, ein Gleichgewicht zu finden und nicht einfach nur einen bestimmten Zuckergehalt zu erreichen.
Die Hitze dieser Tage verlangt nach einem guten Rhythmus, aber nicht nach Eile. Die Kisten müssen unter bestmöglichen Bedingungen im Weingut ankommen, und jeder Arbeitsschritt wird so organisiert, dass die Zeiten der Trauben respektiert werden.
Heute verlassen die letzten für den Ronchedone bestimmten Trauben den Weinberg. Damit endet die Lese unserer roten Trauben, doch für den Wein ist dies erst der Anfang: Von nun an verlagert sich die Arbeit ins Weingut, wo all das, was wir in den Weinbergen beobachtet und abgewartet haben, langsam die Gestalt des neuen Ronchedone annehmen wird.
Die Lese der Turbiana beginnt, jener Traube, aus der wir den Lugana DOC erzeugen.
Es ist ein kurzer Satz, doch in ihm steckt ein ganzes Jahr Arbeit: die Zeit zwischen den Rebzeilen, das Warten, die Kontrollen und die Entscheidungen, die Tag für Tag getroffen wurden. Heute ist im Lugana die Zeit der letzten Vorbereitungen gekommen; die Trauben selbst geben den Rhythmus im Weinberg und im Weingut vor.
Die Wettervorhersage für Sirmione kündigt einen stabilen, sonnigen und sehr warmen Tag an. Auch das gehört zur Arbeit während der Weinlese: die Zeiten zu organisieren, die kühleren Stunden zu nutzen und mit Sorgfalt vorzugehen. Der Beginn ist keine symbolische Geste, sondern eine konkrete Abfolge von Entscheidungen.
Es bleiben nur wenige Worte und höchste Konzentration. Der Moment ist gekommen: Die Turbiana verlässt den Weinberg und beginnt ihren Weg.
Im Morgengrauen hat der Weinberg einen anderen Rhythmus. Das Licht dringt langsam durch die Blätter der Turbiana, zeichnet die Konturen der Rebzeilen und lässt nach und nach erkennen, was im Laufe des Tages leicht übersehen werden könnte. Es sind stille Stunden, wertvoll, um den Weinberg zu beobachten, bevor die Arbeit der Lese beginnt.
Während der Weinlese bringt jeder Morgen neue Einschätzungen mit sich, und so gehen wir auch bei der Lese 2026 vor. Wir kontrollieren die Trauben, probieren die Beeren und betrachten Schale und Fruchtfleisch. Die Reifung verläuft nicht überall gleich und verlangt Aufmerksamkeit: Schon wenige Tage können das Gleichgewicht zwischen Zucker und Säure beeinflussen, das für die Turbiana so wichtig ist.
Es reicht nicht, sich an einen Kalender zu halten. Man muss zwischen die Rebzeilen gehen, auf die Erfahrung derjenigen hören, die sie jeden Tag durchlaufen, und mit Bedacht den richtigen Zeitpunkt wählen. Wo es notwendig ist, wird gewartet; andernorts kann die Lese beginnen, wobei die Trauben sorgfältig ausgewählt werden. Auch aus diesen Entscheidungen besteht die Weinlese. Sie werden oft in den frühen Stunden des Tages getroffen, wenn das Licht noch gedämpft ist und die Luft die Kühle der Nacht bewahrt.
Dann steigt die Sonne höher und die Stille weicht den Stimmen, den Kisten und den Schritten der Menschen bei der Arbeit. Doch für einige Minuten bleibt der Weinberg noch so: in das Morgenlicht gehüllt, bereit, uns durch einen weiteren Tag der Weinlese zu begleiten.
Die Weinlese geht auch fernab der Rebzeilen weiter. Im Labor wird jeder Tank Tag für Tag durch die Analyse der Moste und Gärungen von unserem Önologenteam überwacht: Nichts wird dem Zufall überlassen, Weinlese für Weinlese.
Im Labor zeigen uns Dichte und Restzucker, in welchem Rhythmus die Hefen arbeiten; anhand der Temperatur können wir kontrollieren, ob die Gärung gleichmäßig verläuft; pH-Wert, Gesamtsäure und flüchtige Säure helfen uns, das Gleichgewicht des Mostes zu beurteilen und mögliche Abweichungen frühzeitig zu erkennen. Dabei zählt nicht nur der einzelne Wert: Erst seine Entwicklung, Probe für Probe, zeigt uns, wie sich die Substanz vom Most zum Wein verwandelt.
Dann kommt die Verkostung. Auf dem Foto führt Igino das Glas an Nase und Mund, beobachtet, beurteilt und tauscht sich mit den anderen aus. Die analytischen Daten messen, was im Tank geschieht; die Erfahrung sucht in der Probe nach der Reinheit der Aromen, der Frische, dem Gleichgewicht und der Richtung, die der Wein einschlägt.
Während der Gärung kann selbst eine kleine Veränderung eine zusätzliche Kontrolle, eine erneute Verkostung oder eine Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt erfordern. Im Labor bekommt die Weinlese eine andere Stimme: An die Stelle der Geräusche der Lese treten die Stille der Zahlen und die präzisen Handgriffe derjenigen, die sie zu interpretieren wissen.
In Lugana di Sirmione beginnt der Tag unter einem dicht bewölkten Himmel, bei feuchter Luft und immer wieder einsetzendem Regen. Nach der Hitze der vergangenen Tage sind die Temperaturen gesunken und der Rhythmus im Weinberg verändert sich: Boden und Trauben werden beobachtet, während wir auf die besten Bedingungen warten, um die Lese wieder aufzunehmen.
Bei der Turbiana bedeutet Weinlese vor allem, den richtigen Zeitpunkt zu wählen. Dabei zählt nicht nur der Zuckergehalt: Säure, pH-Wert, Reife der Beerenhäute, Unversehrtheit der Trauben und die Verkostung der Beeren tragen dazu bei, zu bestimmen, wann jeder Weinberg bereit ist. So schreitet die Lese Parzelle für Parzelle voran und folgt Reifeverläufen, die sich selbst auf kurze Distanz unterscheiden können.
Und während der Regen die Arbeit zwischen den Rebzeilen verlangsamt, geht die Weinlese im Weingut weiter. Die Moste aus den in den vergangenen Tagen gelesenen Trauben befinden sich bereits in Gärung: Temperatur und Dichte werden täglich kontrolliert, um die Aktivität der Hefen und die fortschreitende Umwandlung des Zuckers in Alkohol zu verfolgen.
Das ist der doppelte Rhythmus dieser Tage: Draußen warten und beobachten wir die Turbiana, die noch an den Reben hängt; im Weingut haben die bereits gelesenen Trauben langsam begonnen, zu Wein zu werden.
Die Lese der Turbiana folgt dem geduldigen Rhythmus derjenigen, die wissen, wie man wartet und den richtigen Moment erkennt. Im Weinberg reifen nicht alle Trauben zur gleichen Zeit: Selbst innerhalb derselben Rebzeile folgt jede Rebe einem etwas anderen Rhythmus, geprägt von ihrer Lage, dem Boden und den Tagen in der Sonne. Deshalb entscheiden wir uns dafür, ausschließlich von Hand zu lesen und zweimal durch die Rebzeilen zu gehen.
Beim ersten Durchgang wird geerntet, was bereits reif ist; beim zweiten warten wir auf jene Trauben, die noch einige Tage benötigen, um ihre Reifung abzuschließen. Es ist eine langsame Arbeit, geprägt von Aufmerksamkeit, Erfahrung und wiederkehrenden Handgriffen: Die Augen beobachten, die Hände wählen aus, die Menschen begleiten die Trauben auf ihrem ersten Weg ins Weingut. Dann kehren wir zurück, gehen dieselben Rebzeilen noch einmal entlang und hören erneut darauf, was der Weinberg uns zu sagen hat.
Die Weinlese hat am 17. August begonnen, und heute haben wir ungefähr die Hälfte des Weges zurückgelegt. Das Wetter ist kühler geworden, mit Temperaturen um 26 Grad: mildere Tage, die die Arbeit begleiten und wie immer verlangen, die Entwicklung jeder einzelnen Parzelle sorgfältig zu beobachten. Der Kalender gibt eine Richtung vor, doch den tatsächlichen Rhythmus der Lese bestimmen die Reife und der Zustand der Trauben. Wir werden versuchen, die Lese in den ersten Oktobertagen abzuschließen, ohne das zu beschleunigen, was noch Zeit braucht.
Die Handlese ist für uns eine bewusste Entscheidung. Sie bedeutet, die Unterschiede innerhalb des Weinbergs anzunehmen, ohne seine Zeiten zu erzwingen, und jede Traube dort auszuwählen, wo sie gewachsen ist. So wird die Turbiana gelesen: indem wir unsere Schritte zurückverfolgen, warten, wenn es notwendig ist, und den Weinberg Tag für Tag selbst den richtigen Zeitpunkt bestimmen lassen.
Die Weinlese geht auch in der Valpolicella weiter, in unserem Weinberg in Pian di Castagnè, wo wir in diesen Tagen die Corvina von Hand lesen, eine der wichtigsten Rebsorten für die Herstellung des Amarone della Valpolicella.
Hier erfordert die Lese besondere Aufmerksamkeit. Die Trauben werden von Hand geschnitten und direkt im Weinberg selektiert: Für den Appassimento-Prozess werden gesunde, unversehrte Trauben mit gut verteilten Beeren benötigt, die die folgenden Monate überstehen können, ohne unerwünschte Veränderungen zu entwickeln.
Die Weinlese ist tatsächlich nur die erste Etappe dieses Weges. Nach der Lese werden die für den Amarone bestimmten Trauben in unseren Trocknungsraum gebracht, wo sie in Kisten gelegt werden, um die Luftzirkulation zu fördern und eine langsame Phase des Appassimento einzuleiten.
Durch den fortschreitenden Wasserverlust verlieren die Beeren an Gewicht, während die Konzentration von Zucker, Säuren, Polyphenolen und Aromastoffen zunimmt. Gleichzeitig finden im Inneren der Trauben weiterhin wichtige Stoffwechselprozesse statt, die zur späteren Komplexität des Weins beitragen.
In dieser Phase sind Temperatur, relative Luftfeuchtigkeit und Belüftung von entscheidender Bedeutung. Der Prozess muss langsam und unter kontrollierten Bedingungen ablaufen, wobei Feuchtigkeitsansammlungen vermieden und die gesundheitliche Unversehrtheit der Trauben so weit wie möglich bewahrt werden muss.
Die Corvina eignet sich auch dank der Eigenschaften ihrer Beerenhaut und der Struktur der Beere besonders gut für den Appassimento-Prozess. Genau deshalb beginnt die Auswahl bereits zwischen den Rebzeilen: Was später im Trocknungsraum geschieht, hängt in erster Linie von der Qualität der Trauben ab, die wir dorthin bringen.
In Pian di Castagnè wird daher jede Traube bereits mit Blick auf die kommenden Monate gelesen. Für manche Trauben beendet die Weinlese die Arbeit im Weinberg; für jene, die für den Amarone bestimmt sind, beginnt dagegen eine neue Phase des Wartens.
Eine Kiste, für einen Augenblick über den Rebzeilen schwebend. Fast wie eine Momentaufnahme dieser Tage, während die Weinlese weitergeht und der Sommer dem Herbst noch nicht weichen zu wollen scheint.
Mitte September bleibt das Wetter günstig und die Temperaturen erreichen noch immer Spitzenwerte von nahezu 30 °C. In unseren Weinbergen geht die Lese der Turbiana, der Rebsorte für den Lugana DOC, weiter – selbstverständlich ausschließlich von Hand. Wir bewirtschaften rund 350 Hektar Turbiana und werden sie bis zum Ende der Weinlese weiter ernten, wobei wir den unterschiedlichen Zeitpunkten und Reifegraden der einzelnen Weinberge folgen, voraussichtlich bis Ende September.
Im Weingut fand unterdessen heute das Abziehen der Rotweine statt: Dabei wird der Wein nach Gärung und Maischestandzeit von den Schalen und Kernen getrennt, mit denen er eine bestimmte Zeit lang in Kontakt geblieben ist. Ein wichtiger Schritt, der eine neue Phase ihrer Vinifikation einleitet.
Bei der Turbiana verläuft der Prozess anders. Die frisch gelesenen Trauben gelangen ins Weingut und werden schonend gepresst. Durch dieses behutsame und schrittweise Pressverfahren lassen sich die wertvollsten Fraktionen des Saftes gewinnen, darunter der sogenannte „Mosto Fiore“, wobei Frische und Qualität erhalten bleiben.
Bei den noch immer so hohen Temperaturen erfordert jeder Arbeitsschritt besondere Aufmerksamkeit. Wir verwenden auch CO₂ als Inertgas, um Trauben und Most vor dem Kontakt mit Sauerstoff zu schützen und den unerwünschten Beginn spontaner Gärungen zu begrenzen, die durch die Wärme beschleunigt werden könnten.
Draußen bewegen sich unterdessen die Kisten weiter über den Rebzeilen. Die Turbiana verlässt langsam den Weinberg und beginnt ihren Weg zum Wein.
Während der Weinlese besteht die Arbeit des Önologen im Weingut aus Beobachtung, Analyse und täglichen Entscheidungen. Wenn die Turbiana eintrifft, beginnt die Arbeit mit der Beurteilung des Zustands der Trauben und ihres Reifegrades. Zuckergehalt und Säure gehören zu den wichtigsten Parametern, um das Gleichgewicht der Trauben zu beurteilen und die folgenden Verarbeitungsschritte festzulegen.
Nach der schonenden Pressung richtet sich die Aufmerksamkeit auf den Most und mit Beginn der Gärung wird jeder Tank Tag für Tag überwacht. Vor allem Temperatur und Dichte werden kontrolliert, um sicherzustellen, dass die Gärung ordnungsgemäß verläuft. Ergänzt werden diese Daten stets durch die Verkostung: ein unverzichtbares Instrument für den Önologen, um die Entwicklung des Weins zu verfolgen und das zu interpretieren, was Zahlen allein nicht ausdrücken können.
In der Valpolicella geht die Arbeit unterdessen in einem völlig anderen Rhythmus weiter. Die gelesenen Trauben, die für den Amarone bestimmt sind, werden im Trocknungsraum gelagert, wo die lange Phase des Appassimento beginnt. Hier richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Umgebungsbedingungen und den Zustand der Trauben, die regelmäßig kontrolliert werden, während sie langsam Wasser verlieren und ihre Inhaltsstoffe konzentrieren.
Auf der einen Seite die Turbiana, die im Weingut ihre Verwandlung beginnt, auf der anderen die Trauben aus der Valpolicella, die im Trocknungsraum ruhen: zwei unterschiedliche Rhythmen derselben Weinlese.
Im Lugana beginnt der heutige Tag mit milden Temperaturen und windigem Wetter am See, bevor die Temperaturen im Laufe des Tages auf weiterhin sommerliche Werte steigen. Die Vorhersagen kündigen einen Himmel mit Schleierwolken und dichterer Bewölkung an, ohne Regen und mit schwachem Wind, der im Laufe der Stunden seine Richtung ändert.
Während der Weinlese verlangt auch ein trockener Tag nach sorgfältigem Abwägen. Die Wärme macht es notwendig, die richtigen Zeiten zu wählen, die Wartezeiten zwischen Weinberg und Weingut zu verkürzen und jede Traube zu betrachten, bevor sie in die Kisten gelegt wird. Es reicht nicht aus, dass der Boden befahrbar ist: Parzelle für Parzelle muss beurteilt werden, welche Trauben das gewünschte Gleichgewicht erreicht haben und welche noch Zeit benötigen.
Im Lugana hat die Weinlese bereits Mitte August begonnen. Heute geht die Arbeit im Zusammenspiel von Verkostung, kontinuierlichen Analysen und den tatsächlichen Bedingungen im Weinberg weiter. So schreitet die Weinlese voran: nicht aus Gewohnheit, sondern durch Entscheidungen, die jeden Morgen aufs Neue getroffen werden.
Im Lugana befinden wir uns nun in den letzten Tagen der Weinlese. Der größte Teil der Turbiana ist bereits im Weingut, doch die Lese ist noch nicht abgeschlossen: In den Weinbergen befinden sich noch die letzten Trauben, bei denen wir uns entschieden haben, länger zu warten und die für Pratto und Tre Filer bestimmt sind.
Für Pratto wird die Turbiana als Spätlese geerntet. In dieser Phase kontrollieren wir vor allem den Zuckergehalt, die Säure und den Gesundheitszustand der Trauben und verfolgen die Entwicklung der Reife bis zum optimalen Zeitpunkt für die Lese. Einige zusätzliche Tage an der Rebe ermöglichen es den Trauben, eine größere Konzentration und Komplexität zu entwickeln.
Für Tre Filer hingegen werden die Trauben ausgewählt, die für den Appassimento-Prozess bestimmt sind. Nach der Lese setzen die Trauben ihren Weg langsam fort, verlieren einen Teil ihres Wassers und konzentrieren dabei Zucker, Aromen und Extraktstoffe.
In diesen letzten Tagen werden die Mengen geringer und die Aufmerksamkeit bei der Auswahl noch größer. Wir gehen Parzelle für Parzelle vor, verkosten die Beeren, beobachten die Trauben und überprüfen die analytischen Parameter.
Die Weinlese ist fast beendet. Es bleiben die letzten Trauben der Turbiana und zwei unterschiedliche Wege, die vor ihnen liegen: die Spätlese für Pratto und der Appassimento-Prozess für Tre Filer. In beiden Fällen ist es die Zeit, die den Unterschied macht.
Im Lugana begleitet heute die Sonne die letzten Tage der Weinlese. Bei Temperaturen um 23–24 °C schließen wir die Lese der Turbiana ab, die für unseren Lugana DOC bestimmt ist: Die letzten Trauben kommen im Weingut an und die Arbeit verlagert sich zunehmend vom Weinberg ins Labor.
Hier werden Moste und Weine täglich kontrolliert. Reagenzgläser, Kolben und Proben zeigen uns, was in den Tanks geschieht: Mithilfe der Analysen verfolgen wir den Verlauf der Gärungen und die wichtigsten Parameter, die es uns ermöglichen, jede Phase der Vinifikation präzise zu begleiten.
Es ist ein besonderer Moment der Weinlese: Während wir im Weinberg die letzten Trauben der Turbiana lesen, hat der Lugana des neuen Jahrgangs im Weingut bereits seinen Weg begonnen.
Jede Probe ist eine Momentaufnahme dieser Phase, jeder Messwert ein Instrument, um den entstehenden Wein zu verstehen und auf seinem Weg zu begleiten.
Heute geht die Weinlese zu Ende.
Die letzten gelesenen Trauben sind jene der Turbiana, die für Tre Filer bestimmt sind und auf natürliche Weise an der Rebe trocknen durften, um eine höhere Konzentration zu erreichen. Eine späte Lese, die fast symbolisch den Schlusspunkt unter diese Wochen der Arbeit setzt.
Dann kommen die Scheren zur Ruhe, die Kisten werden geleert und die Weinlese wechselt ihren Rhythmus.
Wir haben uns alle im Innenhof versammelt, rund 300 Menschen aus dem Team von Ca’ dei Frati und von der Kooperative, die uns seit Jahren bei der Handlese der Trauben begleiten.
Ein langer Tisch, etwas zu essen, erhobene Gläser und endlich die Zeit, uns umzusehen und uns bei einem gemeinsamen guten Glas bewusst zu machen, welche Arbeit wir zusammen geleistet haben.
Denn die Weinlese besteht natürlich aus Trauben. Vor allem aber aus Händen.
Hände, die lesen, auswählen, transportieren und die Trauben im Weingut in Empfang nehmen. Hunderte von Menschen, die Tag für Tag zum selben Ergebnis beitragen.
Heute haben wir auf sie angestoßen, auf die gerade abgeschlossene Weinlese und auf all das, was ab morgen im Weingut weitergehen wird.
Die Lese endet hier.
Die Reise des Weins hingegen hat gerade erst begonnen.